Kapitel 5


2004-7-6

Es kommt nicht oft hierher. Doch nur auf dieser Lichtung ist das Gras von genau der richtigen Farbe. Gelbe und weiße Blümchen überall. Der Bach gibt kühles Wasser, und die Steine sind warm in der Sonne. Ein Platz für süße Gedanken. Selbst die kleinen Wesen, sonst aufdringlich und verspielt, sind hier still und träumen. Aber lange kann es meist nicht bleiben. So sehr es die Sonne sucht, ertragen kann es sie nur für wenige Augenblicke. Und dann, während es traurig wieder in den schattigen Wald trabt, immer näher dem Zwielicht entgegen, träumt es oft stundenlang von sonnigem Glanz und strahlenden Farben.

Doch irgend etwas stimmt heute nicht auf der Lichtung. Der große Findling blendet, so sehr, daß es die Augen abwenden muß. Oder liegt da etwas auf dem Stein? Vorsichtig nur verläßt es den Wald, um sich dem Bach zu nähern. Es hält den Kopf tief gesenkt, die Augen fast geschlossen, sein Horn berührt beinahe den Boden. Immer wieder späht es scheu zum Stein hin. Dort liegt ein großes Wesen, mit blasser Haut. Beinahe so weiß wie seine eigenen Flanken. Im Kontrast dazu das dunkle Haar, fast schwarz mit leuchtend blauen Reflexen. Ganz ruhig atmet dieses ungewöhnliche Wesen. Schläft es vielleicht? Die Sonne scheint es nicht zu bemerken, oder es ist unempfindlich dagegen, trotz seiner hellen Haut.

War da eine Bewegung? Was war das? Ein Blinzeln? Erwachen? Schrecken, Furcht, Flucht!

Es galoppiert, als wären alle Jäger des Reiches hinter seinem Horn her. Erst tief im Wald kommt es zur Ruhe.

Doch der Blick aus diesen grünen Augen scheint ihm wie auf ewig folgen zu wollen.

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Martin Spernau
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