Kapitel 16


2004-7-6

Eine einsame Gestalt stapft durch den tiefen Schnee. Die dünne Linie seiner Fußspuren reicht bis zum Horizont. Nur ein huschender Schatten folgt ihm. Er träumt von der Sonne, von der Wärme, und von zwei grünen Augen.

"Sei gegrüssst, Prinzz Drruhn. Hap ick euck erschreckt? Irr hätt´t mick nick hirr errwarrt´t?"

"Ja, Maran, ich gestehe, daß du mich etwas erschreckt hast. Was tust du hier, so nahe am Palast meiner Mutter? Ist es nicht Aufgabe eines Spähers, die Randgebiete zu durchstreifen?"

"Ja, dass isst ssie meisst´ns. Ick hap den Auftr´g vonn d´rr Herr´n, dick zu beobackt´n."

"Wenn es ein Auftrag von meiner Mutter ist, dann sollst du doch bestimmt Stillschweigen drüber bewahren, Maran von den Schatten. Warum erzählst du mir davon?"

"Weil ick mehrr weiss, alss die Herr´n wisssen muss. Unt du mirr helf´n kanss."

"Ich verstehe zwar nicht, was du zu wissen glaubst, das meine Mutter nicht wissen dürfte, aber du scheinst deiner Sache ja sicher zu sein."

"Ick weiss, wo irr hing´ht, auff eur´n Streifzüg´n. Wass dorrt mitt euck passi´rt. Ick hap´ gesseh´n, wie irr euck verrwand´lt."

"Vielleicht kannst du mir sogar helfen, auch wenn ich nicht verstehe, was du andeuten willst. Was aber willst du von mir?"

"Irr hapt Einflusss auff d´ Herr´n. Irr wissst, ick unt ..."

"Diese alte Geschichte also wieder. Du weißt, daß meine Mutter immer sehr auf ihren Diener achtet. Ich glaube fast sie hängt an ihm. Und Schneeflocke..., na du weißt das ja besser."

"Eu´rr Worrt genüktt, dass irr ess verssuckt."

"Laß mir etwas Bedenkzeit. Ich werde es dir mitteilen, wenn ich dem Handel zustimme."

"Meinn Herr Druhn, irr vertrautt Maran nickt. Ab´rr dass isst eu´rr Reckt. Saktt mirr nurr recktzeit´g, wenn irr euck klarr seitt." Mit einer schnellen Bewegung ist Maran auf seinem Reittier und huscht wie ein Schatten über die Ebene davon.

Ja, was tue ich in der Zwielichtzone? Er sagt, es passiert etwas mit mir. Tief in Gedanken stapft Druhn weiter, dem Palast entgegen. Die Arme fest um den Körper geschlungen, um die Kälte abzuhalten. Er, Prinz der Dunklen Seite, friert.

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Martin Spernau
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