Prinz Gregor - die ganze Geschichte


2005-4-21

Diese Geschichte entstand für den Erzählwettbewerb auf dem Wolke Con 1 - 2005. Der Erzählwettbewerb stellte jedem Teilnehmer die gleiche usgangs Situation. Jeder hatte dann 8 Minuten Zeit die Geschichte zu erzählen und weiter zu spinnen. Dabei wurden zusätzlich während der Erzählung 3 Begriffe zufällig gezogen, die in die Geschichte spontan einzubeuen waren.

Sehr erfolgreich waren natürlich die eher spontanen Slapstick Erzählungen, da sie am Besten die Bedingungen der Spontanität erfüllten und zudem die Stimmung im Saal auf ihrer Seite hatten.

Meine Geschichte war eher schwermütig und ich konnte leider nur schwer die mir gestellten Begriffe integrieren. Da aber dennoch viele im Publikum meine Geschichte sehr gelobt haben möchte ich hier die 'wahre und gesammte Geschichte' niederschreiben, so wie sie hätte sein sollen.

Die zufälligen Begriffe waren: Kochtopf, Papagei und Berg.

Wer dabei war wird sich erinnern, daß ich besonders mit dem Kochtopf völlig blockiert war, und daß ich später meinte ich sei ganz froh ihn nicht an dem Abend verwendet zu haben. Wenn man die folgende Geschicht liest wird man vielleicht wissen warum :)

Prinz Gregor, die wahre und vollständige Geschichte

Prinz Gregor ist bereit. Seine eisetasche ist gepackt und liegt mit dem Schwert zusammen auf dem Bett des einfachen Hotelzimmers das Gregor bewohnt. Schon zu lange lebt er jetzt hier, zurückgezogen von der Welt die er längst nicht mehr versteht.

Heute will er dem allem ein Ende bereiten. Schon zu viele Jahre ist sein Leben erfüllt von der Jagd und dem Töten von Drachen.

Es war ein erfolgreiches Leben, oben am Firmament scheint nun schon seit Jahren nur mehr ein einziger Stern im Sternbild der Drachen. All die anderen sind einer nach dem anderen verloschen als die dazugehörigen Drachen von seiner Hand dahingestreckt wurden. Nur noch dieser einzige, letzte Stern, nur noch ein Drache.

Prinz Gregor ist müde, er fühlt sich leer und alt. Er fühlt sich weit älter als er aussieht. Sei Aussehen hat sich in all den vielen Jahren, seit er mit der Jagd auf seine Feinde begonnen hat, kaum verändert. Immernoch sieht er dem jungen strahlenden Held gleich, der auszog um seiner Angebeteten den Herzenswunsch zu erfüllen. Einen Wunsch, der schon bald danach ihren eigenen Tod und das Ende einer stolzen Burg bedeutete.

Gregor sieht den Berg noch gut vor seinem geistigen Auge, sieht die Bestie totgeweiht ein letztes Mal hinter der Burg aufsteigen und mit einem mächtigen Schlag alles in Schutt und Asche verwandeln.

Dieser erste Drache, diese Bestie die den Tod so vieler Unschuldiger verursachte, war der eigentliche Anstoß für seine Jagd, für seinen Haß.

Wie im Schlaf, wie in einem Alptraum hat Gregor nach diesem Unglück den Schutt durchsucht. Er wollte seine Geliebte Prinzessin finden um ihr von seinem Erfolg zu berichten.

Ein kupferner Kochtopf, gefüllt mit einer konservierenden Flüssigkeit, ist alles, was ihm von diesem Tag bis heute geblieben ist. Der Papagei der Prinzessin, der so wunderbar ihre liebliche Stimme nachahmen konnte, hat längst das Zeitliche gesegnet, nachdem er Gregor fast fünfzig Jahre lang treu zur Seite stand und sein Andenken an die Prinzessin am Leben erhalten hat.

Bis heute hat Gregor das grausige Andenken aufbewahrt um dieses Unglück nie zu vergessen, um den Haß eine wahre Form zu geben. Immer wenn er in diesen vielen Jahren an seiner Aufgabe Zweifel hatte öffnete er den Deckel des Kochtopfs um in die Augen seiner Prinzessin zu blicken.

Der Topf steht jetzt entleert in der kleinen Naßzelle des Hotelzimmers, Gregor nimmt sein Schwert auf und geht zur Tür. Als er das Zimmer verlassen will stellt er fest, daß die Tür von aussen verriegelt ist. Wut keimt in ihm auf und er zieht sein Schwert blank.

Kurz sieht er seine Reflexion auf der glänzenden Klinge und hält mitten im Schlag inne. Er kennt dieses Spiegelbild, doche es ist nicht sein Gesicht das ihm von den tödlichen Stahl entgegenblickt. Der Stahl, der so viele Drachen getötet hat zeigt ihm das Gesicht das er jetzt schon so lange sucht. Den letzten Feind. Den einzigen Drachen den er in all den Jahren nicht töten konnte.

Gregor holt aus und stößt die Drachenklinge tief in seinen Leib. Mit einem tiefen Seuftzen sinkt er zu Boden, den Blick durch das Fenster auf den Sternenhimmel gerichtet.

Hoch oben am Firmament erlischt der letzte und hellste Stern im Sternbild der Drachen.

(c) Martin Spernau, April 2005

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